Prof. Dr. rer. nat. Fritz-Albert Popp

Vizepräsident des International Institute of Biophysics


Die Aufgabe einer grundlegenden Erneuerung des Gesundheitswesens, der sich der Naturarzt Theodor Dierk Petzold gestellt hat, ist notwendig und faszinierend. Sie wäre unlösbar, wenn man alleine damit bliebe. Sie setzt Fähigkeiten voraus, die man in unserer Gesellschaft nicht häufig antrifft: Herzblut, um einem wichtigen Ziel zu dienen, Idealismus, um sich über die Frustrationen hinwegsetzen zu können, die mit unabwendbarer negativer Kritik von Seiten vornehmlich pharmazeutisch und technisch ausgerichteter Schulmediziner am Unterfangen verbunden sind. Sich dieser Herausforderung zu stellen, erfordert auch den Mut,  sich gegen wirtschaftliche Interessen dieser Epoche aufzubäumen. Aber auch Realitätsbewußtsein und Denkschärfe sind notwendig, um aus schier unübersehbaren und vielfältigen Puzzlesteinen jenes abgerundete Bild von Krankheit und Gesundheit zu gestalten, das vom ”mainstream”-Denken abweicht und dennoch überzeugt und mitreißt. Um aus dem Erkenntnisstand der heutigen Zeit die dringend notwendige ”Reformation” der Medizin herbeizuführen, wird es aber noch mehr bedürfen als nur Engagement, Erfahrung, Belesenheit, Geduld, Kritikfähigkeit und einen umfassenden Schatz an wissenschaftlichen Grundlagen: Es bedarf sowohl einer inhaltlichen Auseinandersetzung als auch Zusammenarbeit über die engen Grenzen von Fachgebieten hinweg.

Theodor Petzold will mit seinem vierteiligen Zyklus Heilen – Evolution im Kleinen ”Brücken bauen zwischen Physik, Chemie, Medizin, Psychologie ... zwischen Körper und Seele ... Wissenschaft, Mystik und Religion...” Damit verbindet er große Hoffnungen auf eine respektvolle und kreative Zusammenarbeit aller ”Gesundheits-ArbeiterInnen” und auf Vorbeugung und Heilung von chronischen Erkrankungen. Er zeigt viele inhaltliche Verbindungen zwischen bislang getrennt nebeneinander oder sogar rechthaberisch gegeneinander arbeitenden Strömungen auf.

So ist das Ergebnis dieses Werkes erfreulich. Auch wenn nicht ein einzelner Mensch allein dieses Ziel erreichen kann – mutige und kundige Frauen und Männer arbeiten an vielen Orten daraufhin -, so ist die Arbeit heute umso höher zu bewerten, wo das Ziel wegen irrational materialistischer Zeitströmungen immer mehr in die Ferne zu rücken scheint.

Betrachten wir die Situation nach dem ”zweiten Schöpfungstag”, der durch die nahezu vollständige Aufdeckung des Codes der menschlichen DNA angeblich ausgebrochen ist.  In absehbarer Zeit sollen mit dieser nun weltweit vermarktbaren Buchstabenschrift unserer Erbanlagen alle Krankheiten ausrottbar sein. Durch rein technische Errungenschaften der Genchirurgie, der Transplantations- und Substitutionsmedizin, die keine ” Philosophen” über das Wesen des Lebens mehr benötigen, sondern nur noch hinreichender Präzisierung elektronischer Hilfsmittel im ”Nanotechnik-Bereich” bedürfen, scheint das Leben und Schicksal des Einzelnen dem Ideal der Unsterblichkeit greifbar nahe zu sein. Wozu dann noch geistige Arbeiten, die sich mit Zielen der Evolution auseinandersetzen? (Die der Darwinismus in ”wissenschaftlich unwiderlegbarer Prägnanz” schon lange auf ”reine Zufälligkeiten” zurückführte... – Petzold erkennt im ‘Zufall’ einen modernen Götzen, wo viele Naturwissenschaftler aufhören, weiter zu fragen. Er meint in Das Maßgebliche ”Es ist an der Zeit, daß die darwinistische Weltanschauung, in der der persönliche ödipale Konkurrenzkonflikt in die Evolution projiziert wird, als eine bemerkenswerte Fehlleistung neuzeitlicher Naturwissenschaft in die Geschichtsschreibung eingeht.” Synergismus und Synthese sowohl auf physikalisch-chemischer, zellulärer und sozialer als auch auf kulturell geistiger Ebene sind die wahrhaft innovativen Prinzipien sowohl der Evolution als auch von Heilung – so Petzold.)

Nun, ich bin mit dem Arzt Theodor Petzold gemeinsam fest davon überzeugt, daß die moderne Medizintechnik bei allem Respekt im Konzert des Lebens und der Evolution nur die Rolle von bewundernswert fähigen Ingenieuren einnimmt, die die Objekte ihres Bemühens – Menschen - in ihre Einzelteile fachgerecht zerlegen können. Von der Kunst eines  Beethovens sind sie trotz technischer Perfektion immer noch ebenso weit entfernt wie von dem Lachen oder den Tränen eines Kindes, ja sogar von der Fähigkeit eines Bakteriums oder Virus, vitale Nachkommen zu erzeugen. Medizintechnik soll den ihr angemessenen Platz in der heilsamen Arzt-Patient-Beziehung bekommen, die ein Hausarzt oft schon mit wenigen einfühlsamen Worten zur Entfaltung bringen kann. Die modernen Bio-Techniker haben zugunsten einer fragwürdigen ”Machbarkeit” das Augenmaß geopfert für die immer noch unendliche Weite der weißen Flecken in der Landkarte des Wissens, des Wissens über das, was wir mit “Leben” bezeichnen. Die Kritik richtet sich wohlgemerkt nicht gegen diese Forschung, schon gar nicht, solange sie sich ihrer Grenzen bewußt bleibt.

Das Werk von Theodor Petzold hat in dieser Situation  die überragende Bedeutung notwendiger Besinnung auf das Wesentliche, auf das, ”was die Welt im Innersten zusammenhält”. Es beschreibt das Verbindende als Rhythmen auf unterschiedlichen Daseins- und Organisationsebenen und als sowohl transzendente als auch immanente Zielinformationen, die als Attraktoren alle lebendigen Veränderungsprozesse steuern. Es beschreibt auch, wie alle Ereignisse in einem mehrdimensionalen Netzwerk miteinander vernetzt sind.

Es ist aus dem Herzblut eines Menschen geschrieben, der nicht nur aus einzelnen DNA-Bausteinen besteht, sondern sich vorwiegend jener - selbst der genetischen Sequenz gegenüber gigantischen - Informationsflut der Erfahrungen bedient, die ein Leben ausmachen. Das Werk entstand aus der Zuneigung und ”agape” eines Arztes zu seinen Patienten, aus der Hinwendung zu den Mitmenschen und aus unverzichtbaren Werten, die ein Leben zu bieten hat. Es entstand aus der Fähigkeit, die Realität so zu betrachten, wie sie sich - ungeachtet eines falsch verstandenen wissenschaftlichen Positivismus - als Ganzheit präsentiert. Das Werk kennzeichnet das Ringen um diese Wahrheit und das Bemühen, sorgfältig und verantwortungsbewußt damit umzugehen. Vielleicht hat Petzold  ja bestimmte Basensequenzen, die ihn dafür auszeichnen?!

Ich wünsche diesen Büchern* eine weite Verbreitung. Sie sind aus meiner Sicht kein Katechismus. Sie sind eine wichtige Fundgrube über notwendiges Wissen unserer Zeit. Auch überraschende und bereits gut abgerundete Einsichten in eine Ganzheitsmedizin der Zukunft sind darin zu finden. Wie immer man auch zu diesen erfrischenden, eigensinnigen, aus einem weiten Schatz der wissenschaftlichen Literatur aufbereiteten und stets um Verständlichkeit ringenden Ausführungen steht: diese Bücher sind ein erfreulicher und wertvoller Beitrag zum Nachdenken über wesentliche Probleme unserer Epoche, und sie stecken - hoffentlich - auch an!

 

Aix en Provence, Juli 2000

Fritz-Albert Popp

 

 

*Das hier vorliegende Buch ist eines aus dem vierteiligen Zyklus Heilen – Evolution im Kleinen. Die einzelnen Bücher haben unterschiedliche Schwerpunkte zu folgenden Themenbereichen:  Gesundheit ist ansteckend! behandelt die medizinischen Themen; Philosophie des Anerkennens beschreibt einen neuen gedanklichen, weisheitsliebenden Rahmen für Wissenschaft, Medizin und das alltägliche Leben; in Resonanzebenen werden moderne naturwissenschaftliche Erkenntnisse systemisch als Resonanzen betrachtet und in Das Maßgebliche erörtert der Autor alte und neue Paradigmen und Syntagmen in der Entwicklung der modernen Wissenschaften.

 

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